Pressemitteilung 21.06.2017:



Raus aus dem Alltag



Wie pflegende Angehörige und Menschen mit Demenz es trotz ihrer schwierigen Situation schaffen, dem Alltag zu entfliehen



Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, ändert sich viel im Leben der Angehörigen. Plötzlich isst der Groß­vater mit den Fingern und nicht mehr mit Messer und Gabel oder die Bücher landen im Kühl­schrank anstatt im Regal. Die Tante besucht eine Freundin und findet den Weg nach Hause nicht mehr oder zieht bei Minustemperaturen ein Sommerkleid an.


Einen Angehörigen mit Demenz zu pflegen, bedeutet meist, sich 24 Stunden am Tag um ihn zu kümmern, beim An- und Ausziehen zu unterstützen oder das Brot zu schmieren - Dinge, die für gesunde Menschen selbstverständlich sind. Pflegende Angehörige müssen lernen, dass der geliebte Partner oder Verwandte sich mehr und mehr verändert und irgendwann nicht mehr er selbst ist und auch seine langjährigen Bezugspersonen nicht mehr erkennt. Diese Betreuung, Pflege und ständige Anleitung zerren an Geist und Körper.


Wenn jemand dement ist, ist der Angehörige häufig überfordert und braucht Hilfe.
Nicht umsonst sagt man oft: „Demenz ist die Krankheit der Angehörigen“.



Die Alzheimer Gesellschaft Sachsen-Anhalt e.V. bietet mit ihrer Tagesbetreuung im Magdeburger Stadtteil Diesdorf eine Möglichkeit, Menschen mit Demenz stundenweise zu betreuen und Entlastung für Angehörige zu schaffen.


Am 21.06.2017 feierten Angehörige, Demenzerkrankte und Mitarbeiter ein gemeinsames Sommerfest und erlebten bei strahlendem Sonnenschein ein paar schöne Stunden im Garten. Bei Musik und Tanz, Kaffee und Kuchen konnten die Angehörigen ihre Sorgen vergessen und auch mit anderen Betroffenen ins Gespräch kommen.


Die entspannte Atmosphäre tat allen merklich gut. Niemand hatte das Gefühl, sich für krankheitsbedingtes Verhalten seines Angehörigen rechtfertigen zu müssen. Alle konnten einfach nur sie selbst sein.


Für große Begeisterung sorgten die Kinder der Grundschule Osterweddingen mit einem Auftritt des Chores unter Leitung von Petra Meyer. Wenn Kinder und ältere Menschen mit Demenz zusammenkommen, passiert etwas, das man nur schwer in Worte fassen kann. Sie musizieren und kommunizieren miteinander und lösen so Anspannungen. Positive Stimmung steckt alle an. In allen Gesichtern sieht man ein Lächeln. Oft kann so wenig so viel bewirken.


Die Gemeinschaft gibt Vertrauen und schafft Wohlbefinden. Nach einigen gemeinsamen Stunden, in denen gesungen, gegrillt, getanzt, geredet und gespielt wurde, fand der „traditionelle“ Abschlusstanz statt. Das bedeutet, alle Anwesenden finden sich auf der Tanzfläche ein und tanzen – jeder so, wie er kann. Jeder gehört dazu.


Glücklich und entspannt verlassen danach alle Gäste das Gelände – nicht ohne das Versprechen im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.


Ein herzlicher Dank geht an alle Beteiligten.